Zépé's Virtuelles Muminforschungszentrum
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Muministischer Rundbrief Juni 2025

Thu, 19 Jun 2025 20:18:11 +0200

Liebe Trolle, Trollfrauen, Trollkinder und alle, die es gerne wären,

zum Mittsommerfest und gleichzeitig baldigen Beginn der Ferienzeit hier-wo-ich-bin grüße ich Euch alle mit einer heiteren Ausgabe des muministischen Rundbriefs. Diesmal gibt es wenig Philosophie im Austausch für mehr Anpreisungen von kaufbaren Mumin-Dingen. Ich bitte das nicht dahingehend zu deuten, dass ich aus meinem Tun geldlichen Vorteil zöge. So ist es nicht, und so darf es gerne auch bleiben. Ich freue mich nur, dass sich immer neue schöne Sachen in unserem Interessengebiet, nun ja: materialisieren.

Musikprojekt »Seasons in Moominvalley«

Frisch erschienen ist der offizielle Soundtrack zum Jubiläum »Moomin 80«. Dieses wurde von Moomin Characters in Helsinki ausgerufen, weil 1945 das erste Muminbuch im Druck erschien (»Mumins lange Reise«). Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Sachwalter des Mumin-Erbes so oft ein Jubiläum erfinden, wie es eben geht, aber nun gut – man muss ja auch im Gespräch bleiben, damit die Kasse weiterklingelt.

Der finnische Musiker Lauri Porra, sonst als Metal-Bassist bekannt (und außerdem Urenkel von Jean Sibelius) legt nun nach langer Vorbereitung das Album »Seasons in Moominvalley«, also »Jahreszeiten im Mumintal« vor. Dieses hat die Form einer etwa 50-minütigen Suite mit 18 rein instrumentalen Einzelsätzen, die allesamt programmatische Titel tragen. Da gibt es Songs für jede Jahreszeit und etliche Aspekte von Wald, Küste und Meer; manche Titel kommen auch sehr rätselhaft daher, bspw. »Sometimes I can't stop myself«. Figuren aus der Muminwelt tauchen aber mit Ausnahme von »Toffle« (also dem kleinen einsamen Wesen, das auf Deutsch zur Zeit »Knütt« heißt) nicht in der Titelgebung auf. Insgesamt spannt sich der Bogen vom Frühling bis zum »Heimkommen« im beginnenden Winter.

Ich höre in den Hauptrollen Klavier und Geige(n), letztere oft auch gezupft. Hin und wieder gibt es andere Instrumente und naturalistische Hintergrundgeräusche. Die Tonsprache ist minimalistisch, die Stücke entwickeln sich meistens in Akkordbrechungsmustern und darüber gelagerten Melodiefragmenten. Bisweilen wird der Hallregler tüchtig hochgedreht, aber im allgemeinen verbleibt die Atmosphäre wohltuend im Handgemacht-Akustischen.

Für meinen Geschmack hätte die Sammlung auch ein paar Musikstücke auf der temperamentvolleren Seite vertragen können. Hier folgt doch in sehr großer Beharrlichkeit ein langsam-verträumtes Stück auf das andere. Viel musikalisches Material (Melodien, Harmoniefortschreitungen, »Zupfmuster« u. a.) ist mehreren Einzelstücken gemeinsam, so dass diese sich unterm Strich oft schwer unterscheiden lassen – und es auch fraglich wird, wie gestaltgebend die jeweiligen Überschriften eigentlich zu verstehen sind.

Das Werk lässt sich rein digital, als CD oder in einer opulenten Vinylschallplattenausgabe erwerben, welchletzterer Postkarten und anderes buntes Material beigelegt sind. Als besonderer Clou sind beide Seiten der LP mit verschiedenen Animationsphasen von Zeichnungen Tove Janssons bedruckt, die man (ich spekuliere) mithilfe einer Stroboskop-artigen Einrichtung in Bewegung versetzen kann; sehr liebevoll eigentlich.

Hier lässt sich ein Blick auf das Werk werfen:

https://blackscreenrecords.com/products/seasons-in-moominvalley

Das Virtuelle Muminforschungszentrum bemüht sich, die ständig nachwachsenden Musikwerke mit Mumintal-Hintergrund aufzulisten – und man kann sagen, dass in den vergangenen Jahrzehnten inzwischen einiges zusammengekommen ist:

https://www.zepe.de/mumin/veli.php

Tove Jansson auf Deutsch – bei immer mehr Verlagen

In den letzten Jahren ging es in der deutschsprachigen Verlagswelt ziemlich wohlgeordnet zu, wenn es um die Frage ging, wer welche Werkgruppe von Tove Jansson herausbringt. Fast ohne Ausnahmen galt: die Muminbücher werden von Arena in Würzburg gepflegt, die Comics von Reprodukt in Berlin, und für die Erwachsenenbücher steht Urachhaus in Stuttgart gerade. Doch nun kommt Bewegung in die Sache.

Die erste Überraschung ist der Reclam-Verlag, den wir alle noch vom Klassikerwälzen aus der Schulzeit kennen. Seit Mitte Mai trägt eins seiner bekannten gelben Minibücher den Titel »Mumins lange Reise«:

https://www.reclam.de/produktdetail/mumins-lange-reise-9783150146804

Dem beigesellt wurde ein Kalender mit sage und staune 53 Postkarten, auf denen jeweils eine Kombination von Mumin-Bild und -Zitat zu sehen ist:

https://www.reclam.de/produktdetail/die-mumins-fuer-alle-lebenslagen-postkartenkalender-2026-4262461870165

Anfang September geht es schon weiter, und zwar mit »Winter im Mumintal«:

https://www.reclam.de/produktdetail/winter-im-mumintal-9783150147085

Und damit nicht genug, es kommt noch ein Adventskalender mit wiederum 24 Postkarten hinzu:

https://www.reclam.de/produktdetail/mumins-adventskalender-24-postkarten-fuer-die-weihnachtszeit-advents-postkartenaufsteller-4262461870226

Das ist ja schönes Material für unsereins, um auch das fernere soziale Umfeld muministisch zu infiltrieren. Die gelbe Farbe muss man halt hinnehmen.

Der vor sieben Jahren gegründete Kampa-Verlag hat derweil begonnen, Taschenbuchausgaben von Tove Janssons Büchern »für Erwachsene« (sie selbst sprach von »böcker om folk«, also »Büchern über Leute (im Sinne von (echten) Menschen)«) herauszubringen. Bisher sind es zwei, nämlich der Roman »Stadt der Sonne« von 1973 und der Episodenroman »Fair Play« von 1982:

https://kampaverlag.ch/produkt/stadt-der-sonne/

https://kampaverlag.ch/produkt/fair-play/

Genau wie Urachhaus entschied man sich, die originalen, von Tove Jansson gestalteten Titelbilder nicht zu verwenden. Die vom Kampa-Verlag sind aber nicht Fotos, sondern äußerst plakative Grafiken. Das ist zumindest teilweise aus dem Gesamtprogramm des Verlags erklärbar, wo es viele ähnliche Titelgestaltungen gibt – aber eben auch andere. Freuen wir uns also, dass wir auch hier eine Wahl mehr bekommen.

Als letztes schauen wir zum Verlag Klett-Cotta, der ja seit langem die Werke von J. R. R. Tolkien herausgibt. Da ist es doch nur konsequent, dass dort Mitte September die von Tove Jansson illustrierte Ausgabe des »Hobbit« auf Deutsch erscheint:

https://www.klett-cotta.de/produkt/j-r-r-tolkien-der-hobbit-illustriert-von-tove-jansson-9783608988888-t-9162

Wer diese in den frühen 1960ern auf Betreiben Astrid Lindgrens (!) entstandenen Illustrationen noch nicht kennt – das Virtuelle Muminforschungszentrum weiß natürlich Rat:

https://www.zepe.de/tjillu/hobbit/index_d.html

Aber der richtige Lese- und Illustrationsfluss – das Kunstwerk, das Tove Jansson hier erschaffen hat, lässt sich natürlich nur mit einem echten Buch in der Hand so erfahren, wie es gemeint war.

Ja, es sieht nach einem wohlgelungenen muministischen Bücherjahr aus, habe ich recht?



Damit habe ich Eure Zeit auch schon wieder genug in Anspruch genommen und schließe mit einer von Tove Jansson herrlich beobachteten Badeszene von 1949, als Mumin also schon existierte – aber wo hat er sich versteckt?

Einen schönen Sommer wünscht
  Zépé


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